Glauben ist Freisein

.Der deutsche Wikipedia Beitrag über die Re­mon­s­t­ran­ten entspricht nicht dem Stand der heutigen Theologie der Re­mon­s­t­ran­ten und auch nicht der Realität der Vielfalt remonstrantischen Lebens. Der Wikipedia Beitrag ist veraltet und keine geeignete aktuelle Informationsquelle. Wer Niederländisch lesen kann, sollte www.remonstranten.nl als Quelle benutzen. Diese website ist sehr schön gestaltet., sie wurde schon mehrfach ausgezeichnet. Sonst eben auf Deutsch diese Informationen hier auf dieser website.

Das Forum der liberal-theologischen protestantischen Re­mon­s­t­ran­ten – Kirche in Berlin hat im Augenblick seinen Schwerpunkt in den religions-philosophischen Salons. Dies sind philosophische Gesprächskreise, auch zu literarischen, künstlerischen, religionswissenschaftlichen und theologischen Themen, in der selbstverständlichen Freiheit, ohne jede “konfessionelle Werbung”. Diese Salon-Abende sind natürlich offen für alle, die nach einer kritischen und selbstkritischen philosophischen Vertiefung ihrer Lebensfragen mit anderen zusammen suchen. Wir als  Re­mon­s­t­ran­ten halten nicht viel von einer Religion oder Kirche, die dogmatisch eng “nur unter sich bleiben will”. Lernen von “den anderen” ist für uns philosophisch und theologisch entscheidend.

Genauso wichtig ist: Für Re­mon­s­t­ran­ten als protestantischer Kirche gibt es kein Glaubensbekenntnis, das für jedes Mitglied verpflichtend ist. Jeder, der Remonstrant werden möchte, formuliert sein eigenes, sein persönliches Bekenntnis. Dieses wird von der Kirche respektiert, es kann inspirieren zu weiteren Gesprächen. Im Jahr 2006 haben einige Theologen der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche ein Bekenntnis formuliert, das sehr wertvoll, sehr inspirierend ist, das aber nicht bindend ist für die Mitglieder und Freunde der Re­mon­s­t­ran­ten. Nur so kann eine Kirche leben, die Vielfalt respektiert und den Glauben des einzelnen ernst nimmt. Bitte lesen Sie dazu den wichtigen Beitrag von Prof. Johan Goud, Den Haag. Johan Goud ist Philosoph und Theologe der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche.

Am Freitag, den 28. September 2018 findet um 19 Uhr der nächste religionsphilosophische Salon statt: in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9.

Unser Thema: “Monotheismus und Gewalt”.   Den „Friedenspreis des deutschen Buchhandels“ erhalten in diesem Jahr 2018 in Frankfurt/M. die beiden Wissenschaftler Aleida und Jan Assmann. Aleida Assmann arbeitet als Literaturwissenschaftlerin, Jan Assmann noch berühmter, wenn man so sagen darf, hat als Ägyptologe einen international hochgeschätzten Ruf: Er hat sich als universal gebildeter Religionsforscher in vielen Veröffentlichungen mit der „Gewalt im Monotheismus“ auseinandergesetzt und dadurch auch viele Kontroversen ausgelöst. Wir wollen uns in diesem Salon – Gespräch dem zentralen Thema von Assmann kritisch nähern und uns fragen, wie in einem auch persönlich strukturierten Salongespräch üblich: Wo und wann haben wir Gewalt des Monotheismus erlebt? Und: Wann sind atheistische Ideologien als säkulare Mono-„theismen“ gewalttätig (gewesen)? So wird die Frage nach der Möglichkeit “absoluter Wahrheiten” aufgeworfen. Ist dann “alles” relativ? Und vor allem: Wie lässt sich durch uns (!) eine Welt nicht nur der elementaren, aber oberflächlichen Toleranz, sondern des gewaltfreien Respekts aufbauen? Bei Interesse bitte anmelden: christian.modehn@berlin.de

Der religionsphilosophische Salon am 24.8. 2018 hatte das Thema: Weisheit der Bibel: Ein philosophischer Salon über das Buch „Der Prediger Salomo“, auch „Kohelet“ genannt. 14 Teilnehmer waren dabei. Einige weiter führende Hinweise finden Sie hier.

Am religionsphilosophischen Salon am 20.7. 2018 beteiligten 13 Teilnehmerinnem. Wir ließen uns im Gespräch von einigen zentralen Erkenntnissen des Philosophen Jürgen Habermas inspirieren, etwa von seinen Vorschlägen zur Diskursethik oder seinem seinem Plädoyer für ein Miteinander von Glaubenden und Nichtglaubenden in der säkularen Gesellschaft. 

Am 22. Juni 2018 diskutierten 20 TeilnehmerInnen über den “alltäglichen Rassismus”. Einige Hinweise können Sie hier lesen.

EIN SOMMERAUSFLUG: Am Freitag, den 10. August 2018 machen wir wieder einen – schon fast traditonellen – Sommerausflug, diesmal nach ERKNER, hübsch gleich hinter Berlin gelegen, und dort besuchen wir u.a. das Gerhart Hauptmann Museum, mit Führung.  Das genaue Programm folgt. Weil wir der etwas intensiveren Kommunikation wegen doch ein kleiner Kreis sein wollen, können nur Anmeldungen per email angenommen werden.

Am 11. Mai waren junge Re­mon­s­t­ran­ten aus Holland bei uns. Insgesamt 22 TeilnehmerInnen diskutierten, welche Möglichkeiten es gibt, EUROPA für uns selbst neu zu beleben angesichts des aggressiven Nationalismus. Vor allem: Kann Religion, Spiritualität, dabei hilfreich und kritisch sein?  Siehe dazu einen Beitrag: Kirchen werden zu Friedenskirchen.

Zum religionsphilosophischen Salon am Freitag, den 23. März 2018  kamen 17 TeilnehmerInnen, was gibt uns Halt in unserem Leben war das Thema, 2 Freunde (Margriet und Dik) aus der Re­mon­s­t­ran­ten Gemeinde in Amsterdam waren dabei.

In unserem Salon am 23. Februar 2018 hatten wir das Thema: “Gibt es Fortschritt in meinem Leben und in der Welt/Gesellschaft?” 18 TeilnehmerInnen waren dabei.

Wir empfehlen, wenn man Niederländisch lesen kann, die aktuelle, sehr ansprechende website der niederländischen Re­mon­s­t­ran­ten zu besuchen. Klicken Sie hier.

Auch die Monatszeitschrift der Re­mon­s­t­ran­ten ADREM hat ein neues Layout und bietet viele wichtige Beiträge zur Frage der Religion und der immer notwendigen Reform der Kirche. Die Re­mon­s­t­ran­ten sind bekanntermaßen eine Kirche, die zur ständigen Reform, zur Veränderung, zur Entwicklung, zur Kritik am Dogmatismus usw. bereit sind. Das neueste Projekt: In den Gemeinden explizit Menschen einladen, gemeinsam drängende Fragen des Lebens, des Sinn des Lebens, zu besprechen. 

Wir sind traurig, dass die Re­mon­s­t­ran­ten Pastorin Christiane Berkvens-Stevelinck am 23. November 2017 gestorben ist. Sie war eine prominente Theologin und spirituelle Lehrerin. Über ihre Reflexionen zur “Spiritualität eines jeden Monats” haben wir auf dieser website berichtet. Ebenso über Ihr der heutigen Mentalität angepassten “Katechismus des Mitgefühls”als Abschied von den üblichen Dogmen!  Ich habe Christiane mehrfach getroffen, auch für Interviews. Sie war auch Professorin in Nijmegen – mit einem katholischen background, also in großer ökumenischer Weite.

In der Literatur werden die Re­mon­s­t­ran­ten auch oft Arminianer genannt, bezogen auf den Initiator dieser Bewegung, den Reformator und Theologen Jacob Arminius (1560-1609 ), klicken Sie auch hier. Nebenbei: Der Beitrag über die Re­mon­s­t­ran­ten auf wikipedia ist weithin veraltet und theologisch nicht aktuell! Nicht zum empfehlen!

Der  Religionsphilosophische Salon am Freitag, den 26. Januar 2018 war mit 21 Teilnehmern gut besucht. Für eine kontroverse Diskussion sorgte vor allem der Philosoph Wolfgang Ullrich, Leipzig; wir sprachen mit ihm über sein neuestes Buch “Wahre Meisterwerte” (Wagenbach Verlag). Hinweise zu dem wichtigen Buch folgen.

Zu unserem Salon – Gespräch am 15. Dezember 2017 kamen 15 TeilnehmerInnen zusammen. Wir sprachen über: “Meine Philosophie der Sehnsucht”. Ein ungewöhnliches philosophisches Thema, aber vielleicht passend für die Weihnachts/Advents-Zeit. Zur Vertiefung gerade zur Weihnachtszeit klicken Sie hier.

Unser religionsphilosophie Salon am 23.11.2017 über die Vorstellung der Vanitas, der Vergeblichkeit von allem, vor allem unseres eigenen Lebens, hat sehr viel Interesse gefunden: Es waren 19 TeilnehmerInnen dabei. Und dies vor dem Totensonntag

Eine (leider noch unvollständige) Übersicht über die Themen unserer Religionsphilosophischen Salons finden Sie hier.  Aber dadurch haben Sie einen Eindruck von der Vielfalt der Themen.

Das Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin bietet  seit mehr als 6 Jahren, monatlich einmal eine Veranstaltung an, den religionsphilosophischen Salon. Wenn sich mehr Menschen aus religiösen wie nichtreligiösen Kreisen für diese aus den Niederlanden stammende freisinnige protestantische Glaubensgemeinschaft interessieren, die der liberalen theologischen Tradition verpflichtet ist, können auch weitere Treffpunkte etc. gemeinsam (!) gestaltet werden. Diese neue liberale theologische Position ist eine Chance, Spuren des Religiösen (in sich selbst) wahrzunehmen, nicht nur in der Kirche, sondern in der Kultur, dem gesellschaftlichen Zusammenleben, ohne dabei in dogmatische Zwänge zu geraten. Es geht darum, dass jeder Mensch seinen eigenen Glauben entwickelt, ausspricht, schätzt. Dabei entsteht eine Vielfalt. Diese Pluralität ist in der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche sehr willkommen. Glaube entwickelt sich im Respekt vor dem eigenen Glauben und der Auseinandersetzung mit religiösen, biblischen Texten, wenn diese denn z.B. mit dem Geist der Humanität sich versöhnen lassen. Bei vielen Menschen ist offenbar die Bindung an dogmatische Vorgaben (also Lehren aus früheren Zeiten) so stark, dass sie es nicht wagen, sich zum guten Recht zu ihrem eigenen Glaubens zu bekennen. Kant würde heute sagen: “Wage es, deinem eigenen Glauben zu vertrauen und ihn im Gespräch mit anderen (der Re­mon­s­t­ran­ten-Gemeinde) zu vertiefen”.  Gemeinden sind Gesprächsgemeinden, keine Orte der dogmatischen, klerikalen Belehrung. Das sah übrigens auch Schleiermacher so.

Wer sind die Re­mon­s­t­ran­ten?

Die Re­mon­s­t­ran­ten – eine Kirche der besonderen Art. Protestantisch und humanistisch, dogmenfrei und lernbereit von anderen Religionen. Sie hat eine lange Tradition, sie hat sich immer wieder weiterentwickelt. Sie ist eng mit der Ökumenischen Bewegung verbunden, hat aber auch gleichermaßen Interesse am Dialog mit humanistischen Gruppen.

Wir weisen aufgrund einiger Nachfragen gern darauf hin: Die freisinnige Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten  versteht sich auch als “Asylkirche”, d.h. als Zufluchtsort für Menschen, die die dogmatischen Vorgaben und das hierarchische System ihrer angestammten Konfessionen nicht mehr aushalten und sich ihren persönlichen, individuellen  Glauben bewahren wollen sowie nach einem Refugium der Freiheit und der Selbstbestimmung auch in religiösen und ethischen Fragen suchen. Sie sind bei den Re­mon­s­t­ran­ten willkommen!  Auf diesen Charakter der “Asylkirche” hat der Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche, Tom Mikkers, Utrecht, mehrfach hingewiesen. Für dieses Leitbild “Asylkirche”  sind inzwischen viele Menschen dankbar.

In den Niederlanden hat die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche ca. 5.000 Mitglieder und “registrierte Freunde”, also Menschen, die  einer anderen Kirche (etwa der katholischen Kirche) weiterhin angehören wollen, aber gern in der freisinnig – christlichen (undogmatischen) Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten mittun und moderne Spiritualität miterleben möchten.  Für Re­mon­s­t­ran­ten ist solche “Doppelmitgliedschaft” überhaupt kein Problem.  In Deutschland ist die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche  seit dem 17. Jahrhundert in Friedrichstadt vertreten. In Berlin gibt es seit Januar 2010 ein “Forum der Re­mon­s­t­ran­ten”, dort versuchen wir im Geist der Re­mon­s­t­ran­ten ein freies spirituelles und religionsphilosophisches Gespräch zu fördern, die Möglichkeiten sind groß und vielfältig…

PS. Re­mon­s­t­ran­ten – das Wort leitet sich von “remonstrance” her, es meint Abwehr und Zurückweisung: Diese reformierten Christen lehnten es zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Holland ab, an einen alles vorher bestimmenden Gott zu glauben. Sie wollten als Menschen freie und selbständige Wesen sein und bleiben. Sie verzichten nicht auf das kritische Denken, wenn sie die Frage nach Gott stellen oder nach dem Sinn von Glauben und Kirche fragen. Sie nehmen sich die Freiheit, diese “Freiheit des Glaubens” nicht als ferne Utopie oder Geschenk von Autoritäten, sondern schon jetzt zu leben.

Die Re­mon­s­t­ran­ten waren 1986 die erste Kirche weltweit, die homosexuelle (Ehe-) Paare in ihren Kirchen offiziell segneten, auch Menschen, die nicht zur Re­mon­s­t­ran­ten Kirche gehören. Schon vorher war  es für Re­mon­s­t­ran­ten  selbstverständlich , dass homosexuelle Menschen in den Gemeinden willkommen sind. Iim Unterschied zu allen anderen Kirchen ist das kein “problematisches” Thema…  Insofern sind die Re­mon­s­t­ran­ten einmal mehr ein Ort der Freiheit…Deswegen wurden die Re­mon­s­t­ran­ten auch von der niederländischen Organisation COC kürzlich ausdrücklich gelobt und gewürdigt.

Wir erlauben uns den Hinweis, dass die deutschsprachige Seite von wikipedia über die Re­mon­s­t­ran­ten unserer Meinung nach die heutige theologische Überzeugung nicht beschreibt, die theologischen Hinweise dort sind allein für Historiker noch interessant und möglicherweise bedeutungsvoll. Wikipedia kommt – bei diesem Thema – als zuverlässige und umfassende, auch aktuelle Informationsquelle kaum in Frage.

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